Arno Gruen

Woher die Götter stammen Video über die ursprünglichen Religionen: sie enthielten keine Erlösungsversprechungen, sondern waren Geschichten von der Entwicklung des Individuums aus der Sicht kleiner Kinder

Videos: Arno Gruen im Gespräch mit Seyyal und Thomas Carnetto
(sind inzwischen leider im Netz gelöscht worden)
1. Realität, Funktion und Empathie als Kraft, die uns bewegt
2. Wir wählen jene, die uns die Schmerzen zugefügt haben
3. Wie erreichen wir die 40 Prozent?
4. Leben im Sinne der Pose und der therapeutische Weg zu sich selbst
5. Über die Pädagogiker, Tschechov und die Analytiker
6. Die Perle der eigenen Identität
7. Der Haß kommt zuerst, und dann die Ideologie, die den Haß unterstützt

Die Konsequenzen des Gehorsams für die Entwicklung von Identität und Kreativität
(inzwischen leider im Netz gelöscht)
Vortrag von Prof. Dr. Arno Gruen am 12. April 2003 im Rahmen der 53. Lindauer Psychotherapiewochen 2003
Es ist schon etwas eigenartiges, daß der Mensch, wenn er mit Terror und Nichtexistenz bedroht ist, sich mit der ihn bedrohenden Instanz identifiziert, sich mit ihr verschmelzt, seine Identität aufgibt, um vermeintliche Rettung zu erlangen. Der Dichter Rainer Maria Rilke erkennt in seinem „Die Weise von Liebe und Tod des Cornet Christoph Rilke“, ein Vorfahre von Ihm, diesen Tatbestand, intuitiv. Dieser Cornet Rilke ist, auf einem der Kreuzzüge gegen die Heiden, von einer Gruppe von ihnen umzingelt. Im Gedicht erlebt dieser Held, die auf ihn niederschlagenden blitzenden Säbel als einen lachenden, auf ihn rieselnden Wasserbrunnen. Um unsere eigene Einheit zu bewahren werden wir blind, um den uns konfrontierenden Terror nicht zu registrieren. Stattdessen halluzinieren wir eine Einheit mit dem uns bedrohenden Andern und verlieren unsere eigene Identität und manchmal unser Leben.

Dem Leben entfremdet Auszug
Warum wir wieder lernen müssen, zu empfinden
Dieses Buch spiegelt die Entwicklung meines Denkens, das mit dem Buch »Der Verrat am Selbst« begann. In allen meinen folgenden Büchern versuchte ich, dem Wie unseres Seins näher zu kommen. Ich glaube, daß das jetzige Buch diesem Ziel gerecht wird. Wie in einer Symphonie werden die Kernthemen für mich intensiver und klarer: Es geht um Sein oder Nichtsein. Wie in Shakespeares Hamlet vollzieht unsere Kultur ein Nichtsein, das auf abstraktem Denken beruht und unser grundlegendes empathisches Bewußtsein verneint und verleugnet. Es geht darum, dieses wieder zum Herzstück unseres Seins zu machen.

Der Fremde in uns Auszug
Was uns abhanden kam und wofür wir uns heimlich hassen
Wir alle haben tiefgreifende Unterdrückung und Ablehnung erlebt. In unserer Kultur ist es üblich, daß man in seinem Kindsein zurückgewiesen wird, weil man nicht den Erwartungen von Erwachsenen entspricht. Gleichzeitig darf ein Kind sich nicht als Opfer erleben, denn das würde dem Mythos widersprechen, daß ja alles aus Liebe und zu seinem Besten geschieht. So wird das Opfersein zur Quelle eines unbewußten Zustandes, in dem das eigene Erleben als etwas Fremdes ausgestoßen und verleugnet werden muß. Diesen Teil von sich wird der Mensch fortan suchen, ohne sich dessen bewußt zu sein. Es ist dieses Suchen, das uns zum Verhängnis wird.

Verrat am Selbst Auszug
Die Angst vor der Autonomie bei Mann und Frau
"Es sind Mitgefühl und Liebe, die die Wandlung zu einem wahren Selbst möglich machen." Arno Gruen erfaßt hier eine Grunddimension des mitmenschlichen Daseins: den Begriff der Autonomie, der nicht Stärke und Überlegenheit meint, sondern die volle Übereinstimmung des Menschen mit seinen eigenen Gefühlen und Bedürfnissen. Wo sie nicht vorliegt, entstehen sowohl Abhängigkeit wie Herrschaftsanspruch.

Verratene Liebe – falsche Götter Auszug
Der Schmerz war und ist groß. Dieses Buch zu lesen, setzt eine persönliche Konfrontation mit dem täglich verbannten Leid voraus, das uns allen unerträglich geworden ist. Die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist die Geschichte eines ungeheuren Schmerzes und dessen Verleugnung. Damit verbunden ist die Unmöglichkeit, lieben zu können. Denn: Schmerz ohne Liebe, Liebe ohne Schmerz gibt es nicht. Sie sind wechselwirkend miteinander verbunden durch die empathische Fähigkeit, die unsere Menschlichkeit bestimmt und erst möglich macht. Es ist mehr als kurz vor zwölf. Nicht erst die kriegerische Konfrontation 1991 am Persischen Golf brachte uns dieser Verheerung näher. Solange wir wegsehen, uns vom Leid abwenden, ja das Leid verneinen, obgleich wir es tagtäglich erleben, werden wir solchen Katastrophen nicht ausweichen können.

Haß in der Seele Auszug
Verstehen, was uns böse macht
Was hindert Menschen am Menschlichsein? Warum treten Jugendliche einen hilflos am Boden liegenden Mann zu Tode? Arno Gruen geht der Frage nach dem Bösen in uns nach. Er erläutert seine Thesen anhand der aktuellen Gewalt von rechts: ein Gespräch, das Zusammenhänge erhellt und Wege aus der Gewalt aufzeigt.

Der Wahnsinn der Normalität Auszug
Realismus als Krankheit: eine grundlegende Theorie zur menschlichen Destruktivität
"Sie konnten Menschen totschlagen - und sie waren ganz normal dabei - das kann ich nicht verstehen." Ein ehemaliger polnischer KZ-Häftling
"Ich meine nämlich, Gut und Böse entscheiden sich nicht im Verkehr der Menschen untereinander, sondern ausschließlich im Umgang des Menschen mit sich selbst." Jakob Wassermann
Es ist ein Akt des Selbstverrats, wenn das Kind das Bewußtsein für sein eigenes Selbst zu verlieren beginnt. Dieser Prozeß setzt damit ein, daß das Kind die Gefühle von Vater und Mutter nicht mehr unmittelbar wahrnimmt, sondern sich danach richtet, wie diese sich selbst sehen. Solch eine "Anpassung" an die elterlichen Machtbedürfnisse führt zu einer Spaltung in der psychischen Struktur des Kindes. Es trennt seine Innenwelt von seinen Interaktionen mit der Umwelt. Damit gehen der Zusammenhang und die Wechselwirkungen zwischen Handlungen und Motivationen verloren.

Ich will eine Welt ohne Kriege Auszug
Ich möchte mit Menschen in Dialog treten, die Güte, Aufrichtigkeit und Uneigennützigkeit besitzen und offen für das Eigene sind. Es müssen Menschen sein, deren Werte sich nicht an Macht, Erfolg und Geld ausrichten, sondern die keine Angst vor dem Anderssein haben, frei von Anpassungsdrang. Nur so wird man das eigene Selbst entdecken, das auf Mitgefühl gründet. In einem aufrüttelnden Manifest richtet sich der Geschwister-Scholl-Preisträger an alle, die sich nicht damit abfinden, daß es Kriege gibt. Jeder kann etwas tun, um sie zu verhindern. Mit seinem persönlichsten Buch appelliert er auch an die kommenden Generationen, sich die Kraft für den Frieden zu bewahren und macht Mut, dafür einzutreten.

Der Kampf um die Demokratie Auszug
Der Extremismus, die Gewalt und der Terror
Ich begann mit diesem Buch im Mai 2001. Ich wollte darin meine Erfahrungen mit dem Rechtsradikalismus zusammenfassen. Während des Schreibens wurde mir jedoch klar, daß ich ausführlicher auf die Frage nach der Entstehung von Gewalt eingehen mußte. Die rechte Gewalt ist ja nur ein Aspekt des Problems. Dann kam der 11. September. Alles Lebende wurde bedroht durch eine überbordende Gewalt. Wir schienen plötzlich eingeholt zu werden von den Rückwirkungen einer Welt, die Menschen ausbeutet, ihren Leiden und Schmerzen gleichgültig gegenübersteht und die als schwach eingestuften diffamiert. Gewiß: Gewalt ist nicht neu. Sie ist Bestandteil dessen, was alle "großen Zivilisationen" heranzüchten, weil ihre Basis Herrschaft und Besitz sind. Damit gehen die Verachtung menschlicher Werte wie auch die Verachtung des Weiblichen und der Kindheit unserer Kinder einher. Die technischen Entwicklungen dieser Zivilisationen machen es jedoch auf einmal möglich, daß nur wenige Menschen die Welt im Namen Gottes der Zerstörung preisgeben und den Tod als Sieg zelebrieren können. Dieses Ausmaß an Gewalt droht den Verlust unserer eigenen Bedeutung hervorzubringen. Die Leere in uns wird damit entweder zur Quelle einer allgemeinen Apathie und Depression, oder sie droht in noch mehr Gewalt auszuufern. Denn für viele führt diese innere Leere zu einem Zustand der Bedeutungslosigkeit, von der sie durch eine Identifikation mit halluzinierter Größe erlöst zu werden hoffen. Wir können diesem Nichts und einem dem Tod verschworenen Radikalismus nur entgegentreten, wenn wir die tieferen Wurzeln dieser ungeistigen Entwicklung entlarven.

Der frühe Abschied Auszug
Eine Deutung des plötzlichen Kindstodes
Der plötzliche Tod eines Säuglings oder kleinen Kindes, der von der Krankengeschichte her nicht zu erwarten ist, und dessen Ursache durch die Obduktion nicht geklärt werden konnte
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Wider den Gehorsam Auszug
Das Grundproblem unserer Zivilisation
Die Angst, ungehorsam zu sein, führt dazu, sich dem Unterdrücker unterzuordnen. Indem man sich mit dem Unterdrücker verbündet, kehrt man seine Gewalt und Verachtung in Liebe um. Rechtsradikale Führer gelangen deswegen besonders häufig in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche an die Macht. Diese Führer erwarten Gehorsam und wollen ihn als Größe und Zeichen ihrer Macht wiederherstellen oder stärken. Dass dies gelingt, zeigt uns: Das Bedürfnis nach Gehorsam ist eingrundlegender Aspekt unserer Kultur.

Wider den Terrorismus Auszug
Neuausgabe von Kampf um die Demokratie
»Wider den Terrorismus« ist die Überarbeitung meines Buches über Gewalt und Terror, das im Jahr 2002 bei Klett-Cotta erschienen ist. Die Frage, mit der wir konfrontiert sind, lautet: Wie konnte es geschehen, dass die Entstehung des Terrors und seine Bestimmung in der heutigen Zeit so sehr vernachlässigt wurden? Warum rätseln wir darüber, obwohl es doch klar ist, dass es Menschen, die im Kreislauf einer zerklüfteten Epoche von Aufstieg und Niedergang, von geschichtlichen Katastrophen leben, unmöglich wird, einen Sinn für ihr Leben zu finden? Weil solche Menschen keine liebenden Beziehungen erlebten, sind sie beherrscht vom Gedanken, nicht unterzugehen in einer Welt, die für sie von Feinden besiedelt ist. Sie sind aus diesen Gründen ohne echte Bindung an andere Menschen, suchen aber einen Sinn im Leben, indem sie sich Autoritäten unterwerfen, die ihnen versprechen, sie aus ihren Ohnmachtsgefühlen durch Gewalt zu retten.